Achillessehnenriss – oder Achillessehnenteilriss

Die Begriffe Achillessehnenriss und Achillessehnenruptur werden im Internet oft synonym verwendet, fachlich jedoch nicht. Wir verstehen unter einem Achillessehnenriss immer einen kompletten Riss – in der Fachsprache Achillessehnenruptur – und verwenden den Begriff des Achillessehnen-Teilrisses gesondert.

Ein Achillessehnenriss kommt zwar nicht so häufig vor wie eine Degeneration der Achillessehne. Es passiert aber immer wieder, dass Teile der Achillessehne oder sogar die ganze Sehne reißen.

Hier erfahren Sie, wie man einen Achillessehnenriss erkennt und was Sie tun müssen.

Wann kommt es zu einem Achillessehnenriss

1. Wann kommt es zu einem Achillessehnenriss oder -teilriss?

  • Bei Belastung wird meist nur ein Teil der Achillessehne beansprucht. Kommt es immer wieder zu einer übermäßigen Belastung dieses Sehnenteils, kann er reißen.
  • Normale Belastungen verlängern die Achillessehne um ca. 4 %. Wird die Sehne um mehr als 4% gedehnt, treten bereits Mikrorisse auf.
  • Wird die Sehne um 8-12% verlängert, kommt es zum kompletten Achillessehnenriss
Wann kommt es zu einem Achillessehnenriss
Woran erkennt man einen Achillessehnenriss

2. Woran erkennt man einen Achillessehnenriss?

Als Betroffener hört man oft ein plötzliches „Schnalzen“, einen peitschenartigen Knall.

  • Dazu kommt ein stechender Schmerz. Es entsteht eine Schwellung.
  • Es bildet sich ein Hämatom (Bluterguss).
  • Es ist unmöglich, auf Zehenspitzen zu stehen.
  • Die Achillessehne ist in ihrem Verlauf unterbrochen.
  • Das ist gut so, denn jetzt wissen Sie: Da ist etwas passiert … und dann schnell zum Arzt.

Einen Achillessehnenriss sieht man sofort und spürt es auch, da man nicht mehr laufen kann und die Kontinuität der Sehne unterbrochen ist.

Manche Teilrisse der Achillessehne spürt oder hört man nicht so deutlich. Auch der Arzt erkennt den Teilriss nicht sofort. Dann bleibt der Achillessehnen-Teilriss erst einmal unerkannt. Erst nach einigen Wochen einer mit Schmerzen verbundenen Bewegungseinschränkung wird nochmals untersucht und dann erst eine klare Diagnose gestellt. Ein Teilriss ist praktisch nur mit bildgebenden Verfahren (Ultraschall, MRT) zu diagnostizieren.

Woran erkennt man einen Achillessehnenriss
Was sollte man bei Verdacht auf einen Achillessehnenriss tun

3. Was sollte man bei Verdacht auf Achillessehnenriss tun?

Besser ist immer: Sofort zum Arzt, richtige Diagnose und gleich mit einer adäquaten Behandlung beginnen, z.B. einer Operation.

Was sollte man bei Verdacht auf einen Achillessehnenriss tun
Diagnose des Achillessehnenrisses

4. Diagnose Achillessehnenriss

  • Ausführliche Anamnese – Erfassung aller medizinisch relevanten Informationen;
  • körperliche Untersuchung – neben dem Tasten gibt es weitere Untersuchungsmethoden;
  • eventuell Ultraschalluntersuchung;
  • bei Unklarheit wird ein MRT gemacht (Magnetresonanztomographie).

 

a. Achillessehnenriss: Verschiedene Formen und Orte

  • Ruptur, Teilruptur, oder Zwei- oder Mehr-Etagen-Ruptur
  • am Ursprung/Ansatz des Fersenknochens: 0-2 cm oberhalb dieser Stelle
  • in der Sehnenmitte: 2-8 cm oberhalb Sehnenansatz
  • in der Nähe des Übergangs von der Sehne zu Wadenmuskeln: > 8 cm oberhalb Sehnenansatz.

 

b. Sonderfall: Achillessehnen-Teilriss

Achillessehnen-Totalrupturen sind eher selten. Meist kommt es zu einem teilweisen Riss der Achillessehne. Bei Belastung wird zumeist nicht die komplette Achillessehne beansprucht. Es sind oft nur einzelne Faserbündel, die natürlich nicht so viel aushalten wie die komplette Achillessehne.

Ein Achillessehnen-Teilriss kann operiert werden, wird aber oft konservativ behandelt. Der Arzt schätzt ein, wie viele Anteile der Achillessehne gerissen sind und legt dann die Therapie fest.

Diagnose des Achillessehnenrisses
Therapie eines Achillessehnenrisses

5. Therapie Achillessehnenriss:

Generell gibt es zwei Maßnahmen: Die Operation oder die konservative Therapie ohne Operation. Im Folgenden geben wir eine kurze Erklärung der beiden Therapieformen.

 

a. Operation (OP) – mit Krankenhausaufenthalt

Hier gibt es eine Achillessehnen OP Technik mit einem Mini-Hautschnitt und eine mit einem größeren. Für beide ist eine Nachbehandlung im Stil der „frühfunktionellen Nachbehandlung“ ganz wichtig: Der Fuß wird dabei nicht ruhiggestellt, wie man es früher gemacht hat, sondern von Anfang an immer wieder bewegt. Wichtig und mitentscheidend für den Heilungsverlauf ist, wie Sie mitmachen. Ihr Arzt und Physiotherapeut wird Sie selber gut behandeln, Ihnen aber auch Übungen zeigen, die Sie selber durchführen können und sollten. Hierzu gehören Kraftübungen – meist wird das exzentrische Krafttraining empfohlen, – welches aber erst im späteren Heilungsverlauf angezeigt ist.

Sporttauglichkeit: Bei der „Mini-Hautschnitt Methode“ sind Sie nach ca. fünf Monaten* wieder sporttauglich, bei der offenen Technik mit größerem Hautschnitt dauert es einen Monat länger. Aber: Lassen Sie sich in jedem Fall von Ihrem Operateur beraten, welche Technik in Ihrem Fall die richtige ist!

 

b. Konservative Behandlung – ohne Krankenhausaufenthalt

Auch bei einer „konservativen“ Therapie des Achillessehnen-Teilrisses – also ohne OP – können die gerissenen Achillessehnen-Enden wieder zusammenwachsen. Wichtig ist hierbei, dass im Ergebnis die gleiche Sehnenlänge rauskommt wie vorher. Ansonsten hat die Achillessehne nicht mehr die gleichen elastischen und funktionellen Eigenschaften.

Meist wird in der ersten Zeit nach dem Achillessehnen-Teilriss ein Spezialschuh verschrieben, bei dem man in Spitzfußstellung steht bzw. geht. Vorteil ist bei dieser Methode, dass man von Anfang an wieder mobil ist – wenn auch nur eingeschränkt – und nicht ins Krankenhaus muss. Nach der „Schuh-Therapie“ verläuft die weitere Behandlung ähnlich der nach einer OP.

Die sportliche Belastung ist nach ca. sechs Monaten* wieder möglich.

Anmerkung*: Der Zeitpunkt einer Rückkehr zur Vollbelastung im Rahmen der Achillessehnen-Behandlung ist schwer zu definieren, denn er ist abhängig von mehreren Faktoren:

  • Im Fall einer OP hängt er vom Operateur und seiner Operationstechnik ab;
  • Je nach Heilungsverlauf fällt er individuell unterschiedlich aus und hängt ebenfalls auch von den angewandten Methoden ab.
  • Bei Sportarten mit überwiegend zyklischen Bewegungen, wie Joggen, geht es schneller (die hier erwähnten vier bis fünf Monate), bei solchen mit großen Belastungen wie Sprüngen und bei allen Sportspielen mit schnellen Richtungswechseln und abruptem Stoppen und Beschleunigen dauert es meist länger.

Fazit: Zusammen mit dem Therapeuten entscheiden, wann die Rückkehr zur Vollbelastung möglich ist!

 

c. Achillessehnenriss: OP oder konservative Behandlung?

Diese Frage sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen. Er weiß, was in IHREM FALL das Beste ist. Generell können folgende Kriterien zur Entscheidung herangezogen werden:

  • Wie lautet die exakte Diagnose (Art und Lage des Achillessehnenrisses)?
  • Wie hoch ist das Risiko von Wundheilungsstörungen oder Infektionsgefahren? Dann eher konservative Behandlung.
  • Sind Sie Leistungs- oder Spitzensportler? Dann eher Operation.

Auf alle Fälle muss eine konsequente, frühfunktionelle Nachbehandlung erfolgen, d.h. schnell wieder in Bewegung kommen und dem Heilungsverlauf entsprechend Bewegung und Belastung steigern.

Das Wichtigste: Eine Verlängerung der Achillessehne muss unbedingt vermieden werden, denn sie kann eine Verminderung der Abstoßkraft und eine eingeschränkte Rückfußstabilisierung nach sich ziehen!

Therapie eines Achillessehnenrisses

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